Dyskalkulie


Ursachen und Erscheinungsformen der Dyskalkulie

Unter Dyskalkulie versteht man eine Teilleistungsschwäche auf dem Hintergrund einer normalen Begabung, die sich vor allem im Bereich des rechnerischen Denkens und Handelns auswirkt, Sie ist erkennbar als Beeinträchtigung der Rechenfertigkeit. (Humm, 1982, 5.1)

Dyskalkulie oder auch bekannt als Akalkulie, Anarithmie, Rechenlegasthenie oder Arithmasthenie ist definiert als eine spezielle Rechenstörung, die sich vom Rechenversagen bei einer allgemeinen Schulleistungsschwäche abhebt. Wenn ein Kind in anderen Fächern gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt und im Rechnen Schwierigkeiten hat spricht man von einer Dyskalkulie. Wesentlich ist hier also nur das Abweichen der Rechenleistung von den übrigen Schulleistungen.  Wie groß die Diskrepanz sein muss, bis man von einer Dyskalkulie sprechen kann, ist willkürlich. (Meile/Lüchinger, 1983)

Folgende Umstände können sich begünstigend auf die Entstehung einer Dyskalkulie auswirken:

  • Häufiger Lehrerwechsel in den ersten Primarschulklassen und damit verbunden der häufige Wechsel von Unterrichtstilen.
  • Wechsel der Rechenlehrmethode: Neue Mathematik mit Cuisenaire-Stäben und Mehrsystemblöcken – konventionelle Rechenlehrmethode
  • Mangelndes Vertrautsein des Lehrers mit einer bestimmten Rechenlehremethode
  • Unsicherheiten und Unklarheiten bei der Darbietung und Aufbereitung der Neuen Mathematik
  • Abweichende Meinungen oder die Art und Weise des Einführens des Rechnens zwischen Eltern und Lehrperson oder zwischen den Eltern
  • Vernachlässigung des  Rechnens. Die Sprachschulung, das Lesen- und Schreibenlernen sind in den ersten beiden Schuljahren meist von größerer Bedeutung
  • Größe und Struktur der Klasse (zu große Klassen, viele Fremdsprachige, große Intelligenzunterschiede)
  • Viele Misserfolgserlebnisse im Rechnen, da beim althergebrachten Rechnen oft nur ein Lösungsweg, ein Ergebnis richtig ist
  • Beschämung durch Lehrer, Mitschüler und Eltern
  • Schulängste verschiedener Ursache

 Wann kann Dyskalkulie festgestellt werden?

Leistungsstörungen in Teilbereichen werden frühestens im Kleinkindalter entdeckt, wenn das Kind in seiner Entwicklung von der Entwicklungsnorm abweicht. Eine eigentliche Rechenstörung kann aber erst in der Schule, das heißt in den ersten beiden Schuljahren und später festgestellt werden. Durch genaues Beobachten des kindlichen Lern-und Leistungsverhaltens und durch Aufdecken von Lücken im Lernprozess kann der Erzieher zur Annahme des Vorliegens einer Rechenstörung gelangen.

Therapeutischer Ansatz

Es ist überaus wichtig, dass ein rechengestörtes Kind so früh wie möglich eine lerntherapeutische Förderung erhält, weil Dyskalkulie als besonders hartnäckig beurteilt wird. Nach den heutigen Erfahrungen ist es sogar notwendig kinderärztlich-neurologisch oder kinderpsychatrische Untersuchungen vorzunehmen, um die richtigen Maßnahmen zur Linderung der Lernstörung herauszufinden und einleiten zu können. Bei einer therapeutischen Maßnahme ist es wichtig, dass Eltern, Therapeut und Lehrer eng zusammenarbeiten. Allein schon das Nachlassen des Zeit- und Leistungsdruckes in der Schule und im Elternhaus kann sich entspannend auf das Kind und seine Störungen auswirken. Je nach Ergebnis der kinderärztlich-neurologischen Untersuchung können auch Medikamente zur Unterstützung der Therapie eingesetzt werden.

Wie sollten sich Eltern bzw. die Lehrer verhalten?

Eltern, die zu Hause möglichst drauflos üben und mit ihrem rechenschwachen Kind möglichst viel rechnen tun ihrem rechenschwachen Kind nichts Gutes damit an. Das ist überhaupt nicht angebracht. Ein zusätzliches Rechentraining darf nur nach Absprache mit Lehrer und Therapeut durchgeführt werden, weil es das Kind meistens zu sehr belastet und das Verhältnis zwischen Eltern und Kind beeinträchtigt. Rechnen mit den Fingern darf weder zu Hause noch in der Schule verboten werden. Bei rechengestörten Kindern sollte von Kind zu Kind entschieden werden können, welche Methode und welche Lehrmittel am geeignetsten sind. Kann das Kind die logische Grundlage und die logischen Prozesse mathematischer Abläufe nicht verstehen, entwickelt sich ein Gefühl der Unsicherheit, das das Kind daran hindert, Spaß an der Lösung mathematischer und logischer Probleme zu empfinden.


nach oben