Stress

Unsere Welt dreht sich immer schneller. Alles wird hektischer, oft scheint uns die Zeit davonzulaufen, Im Büro stapelt sich die Arbeit. Auch im Privaten geht es rund: Lärm, Streit und Gewalt sind nahezu an der Tagesordnung. Mit einem Wort: Wir stehen unter Stress. Der Begriff „Stress“ kommt eigentlich aus der Physik, genauer aus der Werkstoffkunde. Dort bezeichnet man „Stress“ als „den Zug oder Druck auf ein Material.

Was ist eigentlich Stress?

Stress ist die Bezeichnung für ein psychologisches Phänomen. Wir bewerten über unsere Sinnesorgane unsere Umwelt. Wird sie als bedrohlich wahrgenommen, führt diese Wahrnehmung zu einer physiologischen Reaktion des Körpers. Er wird in Alarmbereitschaft versetzt, um einer potentiellen Bedrohung angemessen begegnen zu können. Stress ist insofern wichtig für unser Überleben. Stress versetzt unseren Körper in einen Zustand erhöhter Leistungsfähigkeit, ermöglicht ihm Flucht- oder auch Angriffsreaktionen. Damit kann er auf besondere Situationen schnell und angemessen reagieren.

Stress kann Psy­che und Kör­per über­for­dern

Stress mobilisiert Energiereserven, kurbelt den Stoffwechsel an. Kurzfristig kann Stress durchaus zu positiven Effekte führen – man denke nur an Sport oder Prüfungssituationen. Nimmt der Stress aber überhand und bleibt langfristig bestehen, kann er auch schädlich wirken. Stress kann Psyche und Körper überfordern, sogar krank machen.

>>Die Faktoren, die zu Stress führen nennt man Stressoren. Alles, was das Gleichgewicht des Organismus massiv umzustoßen droht, ist ein Stressor. Stressoren können physiologischer oder psychologischer Natur sein. Kälte, Hitze, Lärm, Schlaflosigkeit oder Hunger sind physiologische Stressoren für den Körper. Psychologische Stressoren sind vor allem Phänomene der Überforderung. Wenn man glaubt, den Dingen des Alltags nicht mehr gewachsen zu sein, seine Aufgaben nicht schaffen zu können.<<

Wie entsteht Stress im Körper?

Stress ist ein Wahrnehmungsphänomen. Über die Sinnesorgane wird ständig unser Umfeld, unsere Umwelt bewertet. Unser Gehirn führt diese Bewertungen durch, es ist das stresswahrnehmende und stressregulierende Organ. Über das Gehirn beeinflusst die Stresswahrnehmung eine ganze Reihe von Hormondrüsen wie zum Beispiel die Nebennieren. Dort werden typische Stresshormone wie das Adrenalin freigesetzt. Es steigert die Atmung und Herzschlagfrequenz und lässt den Blutdruck steigen. Das geschieht einmal direkt über die Nervenbahnen oder auch über das Blut. Stressoren haben so auch Einfluss auf das vegetative Nervensystem, steuern also unwillkürliche Körperreaktionen. Davon sind zum Beispiel die Arbeit vom Magen-Darmtrakt oder auch des Immunsystem betroffen.

 

 

Positiver und negativer Stress

Für positiven und negativen Stress gibt es zwei Fachtermini aus dem Griechischen, und zwar Eustress und Distress. Ob ein Mensch etwas als Eustress oder Distress empfindet, ist sehr individuell und hängt von der Psyche des einzelnen ab. Ein Beispiel: Für viele Menschen ist die Situation im Fernsehstudio zu stehen und die Kamera auf sich gerichtet zu wissen, purer Stress. Man hat Angst sich zu blamieren. Unsere Moderatoren aber gehen mit dieser Form von Stress ganz locker um. Sie bewerten die Situation nicht als bedrohlich, sondern eher als anregend.

>>Unser Umgang mit Distress ist das eigentliche Problem. Dauert er zu lange an, schadet er dem Körper. Es kann ihn dann auch schädigen, in dem er alle Energiereserven ausschöpft. Oft verschärfen wir die Situation dann auch noch, indem wird den Körper zusätzlich durch Gifte wie Alkohol, Drogen oder Nikotin schwächen. Sie sind als „Entspannungsfaktoren“ völlig ungeeignet. Verleugnung oder Verdrängung lösen Probleme nicht. Gefahr für Leib und Seele entsteht, wenn zwischen Stressphasen nicht mehr genügend Entspannungs- und Erholungsphasen für den Körper vorhanden sind.<<

Distress und die Folgen

Dauerstress hat Folgen für die Gesundheit, denn für unseren Körper heißt das Daueralarm. Die ersten Anzeichen sind unspezifische Befindlichkeitsstörungen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Magenschmerzen, bis hin zu Schwindel, Angst, Depressionen oder Rückenschmerzen. Das Immunsystem leidet und man wird anfälliger für Infektionen. All das führt zu weiterer Überforderung und Erschöpfung. Durch erhöhten Bluthochdruck steigt das Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt und man verliert seine Konzentrationsfähigkeit.

Kopf­schmer­zen kön­nen ein Zei­chen für Burn-​Out sein

Burn-out und Traumata

Immer wieder kommt es in unserem Alltag zu Situationen, die uns stark unter Stress setzen. Gibt es danach aber auch wieder entsprechende Erholungsphasen, ist das nicht weiter schlimm. Fehlen diese jedoch kann es vor allem im Beruf zum sogenannten „Burn-out-Syndrom“ kommen. Man ist psychisch und körperlich am Ende, fühlt sich immer elender. Typische Kennzeichen für ein „Burn-out“ sind Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Bluthochdruck, Durchfall oder auch Depressionen. All diese Symptome stellen sich schleichend über einen längeren Zeitraum ein und werden zunächst nicht richtig eingeordnet bzw. wahrgenommen.

>>Die härteste Form von Stress, die im Körper ausgelöst werden kann, ist das sogenannte Trauma. Zu einem Trauma kann es kommen, wenn erlebter Extremstress psychisch nicht verarbeitet werden kann. Solche psychisch stark überfordernde Erlebnisse können sofort dauerhafte Spuren im Körper hinterlassen. Die Fachleute sprechen dann von posttraumatischen Belastungsstörungen. Schlüsselreize aus extrem belastenden Situationen führen sofort zu erneuten schweren Stresserlebnissen und entsprechenden Symptomen. Bei Kriegsveteranen können zum Beispiel bereits Geräusche oder Gerüche ehemals Erlebtes wieder als „Flashbacks“ ins Bewusstsein zurückrufen und zu schweren körperlichen Stressreaktionen bis hin zur Handlungsunfähigkeit führen. Auch nach schweren Unfallerlebnissen wie zum Beispiel dem Bahnunglück von Eschede oder auch Gewalterfahrungen werden bei Traumata-Patienten immer wieder solche „Flashbacks“ diagnostiziert.<<

Be­we­gung ist wich­tig bei der Stress­pro­phy­la­xe

Tipps gegen zu viel Stress

Stressprophylaxe hat sehr viel mit Selbstdisziplin zu tun. Besonders wichtig ist es, dem wechselnden Rhythmus zwischen Anspannung und Entspannung Beachtung zu schenken, immer wieder in seinen Körper „hinein zu horchen“. Menschliche Grundbedürfnisse wie zum Beispiel ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sollten stets im Auge behalten werden. Innehalten, entspannen, in sich reinhören – das kann der eine beim Sport, ein anderer am besten bei der Meditation. Wichtig ist eine gewisse Ausgewogenheit in der Lebensführung und Achtsamkeit. Darauf hören, was der eigene Organismus verlangt, sonst droht die Gefahr früher oder später krank zu werden.

Kerstin Dreher, Stand vom 01.06.2009


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