Burn-Out Syndrom
Aus der Entspannung kommt die Kraft,
nicht aus der Anspannung!
Burn-out Syndrom bei Lehrern
Auffallend ist, dass in den meisten der besonders Burnout- trächtigen Berufe mit Menschen gearbeitet wird, wobei die eine Seite aber mehr “gibt” (z.B. Pflegender) und die andere Seite “nimmt” (Patient). Inzwischen ist das Burnout Syndrom für mehr als 30 Berufe und gesellschaftliche Gruppen beschrieben worden, z.B. Sozialarbeiter, Therapeuten aller Art, Krankenschwestern etc. Besonders häufig waren in der Vergangenheit Leher vom Burn out betroffen. Diese scheinen einem besonders hohem Risiko ausgesetzt zu sein, welches u.a. durch unterschiedliche Rollenanforderungen erklärt werden kann. Diese erfordern eine ständige Klärung von Rollenkonflikten. An den Lehrer werden Anforderungen von Schülern, von Eltern, vom Vorgesetzten und Betrieben gestellt, die teilweise unvereinbar sind. Einen konstruktiven und gesundheitserhaltenden Umgang mit diesen unterschiedlichen Rollenanforderungen zu finden, verlangt auf der einen Seite eine gewisse innere Souveränität und Rollenklarheit sowie auf der anderen Seite eine institutionell und kollegial vermittelte Rollensicherheit. Ist man sich als Lehrer jedoch in seinen verschiedenen Rollen unsicher, sei es im Verhältnis zu den Schülern, zu den Eltern der Schüler, im Verhältnis zu den Kollegen oder zur Schulleitung, kann diese Rollenunsicherheit einen chronischen psychischen Belastungsfaktor begründen, der persönlichkeitsspezifisch verarbeitet maligne Entwicklungen begünstigen kann.
Burn-out
Burn-out – von diesem – meist berufsbedingten – Krankheitsbild ist gerade in den letzten Jahren immer häufiger die Rede. Der Begriff kommt aus dem Englischen und heißt soviel wie „ausgelaugt sein“. Kein Wunder: Die Anforderungen an Berufe in praktisch allen Branchen steigen ständig – wer heute berufstätig ist, muss sich in der Regel viel öfter umorientieren als dies noch vor ein, zwei Generationen der Fall gewesen ist: technische Neuerungen wollen bewältigt sein, zum Beispiel die Einführung der Informationstechnologien in allen Feldern des modernen Lebens. Umstrukturierungen innerhalb bestehender Betriebe sind heute Alltag, ganze Ausbildungszweige werden aufgrund des technologischen Wandels überflüssig, dafür entstehen neue. Die weltweite Vernetzung von Märkten, zunehmend auch Arbeitsmärkten, sorgt für einen bisher nie da gewesenen Wettbewerbsdruck auf den Einzelnen. Und ebendieser Druck löst bei uns Stress aus. Finden keine Erholungsphasen mehr statt, führt der Dauerstress direkt in die Krankheit.
Wer ist gefährdet?
Bei ausgebrannten Personen handelt es sich meist um Menschen, die ursprünglich ein hohes, überdurchschnittliches Engagement im Beruf gezeigt haben. Fehlender Erfolg, fehlende Anerkennung oder zu hohe Ziele und Erwartungen können schnell Spuren in Körper und Psyche hinterlassen. Die Folge ist dann in der Regel chronische Erschöpfung mit den unterschiedlichsten körperlichen Symptomen. Arbeitseifer, Begeisterungsfähigkeit und Idealismus sind dann auch unter größter Willensanstrengung nicht mehr zu aufrecht zu erhalten.
Viele Lehrer leiden unter dem “Burnout-Syndrom”
Gefährdet sind eigentlich alle Berufsgruppen, die einem schnellen Wandel von Rahmenbedingungen unterworfen sind und mit äußerlich belastenden Situationen zu tun haben. Vor allem ‘Helferberufe’ und zunehmend auch Fach –und Führungskräfte der verschiedensten Bereiche. Ärzte und Journalisten zum Beispiel sind oft von psychosozialem Stress betroffen: Zeitdruck, Verantwortung, widrige Arbeitsbedingungen, große Konkurrenz…
Besonders betroffen sind auch Lehrer – etwa 35 Prozent leiden in dieser Berufsgruppe unter dem “Burn-out-Syndrom”. Da ist zum einen die Angst um den Arbeitsplatz, denn es gibt immer mehr Schulschließungen. Außerdem werden Lehrer oft mit Situationen konfrontiert, für die sie nicht ausreichend ausgebildet wurden. Die Integration ausländischer Schüler zum Beispiel. Oder auch die Erziehung ihrer Schüler, die heute oft vom Elternhaus auf die Lehrer abgewälzt wird.
Typische Anzeichen
Wie praktisch alle psychosomatischen Störungen und Erkrankungen handelt es sich auch bei der Entstehung des Burn-out-Syndroms um einen längeren, häufig schleichenden und vom Betroffenen selbst kaum bemerkten Prozess. “Wer ausbrennt, muss zunächst einmal brennen”. – diese Metapher weist auf Grundvoraussetzungen hin, die ausgebrannte Menschen in der Regel schon in ihren Beruf mitbringen: hohes persönliches Engagement und beruflichen Ehrgeiz.
Dies sind ja nun keine schlechten Eigenschaften, und in der Regel sind sie auch eher förderlich für eine Berufskarriere. Bei einer ungünstigen Gesamtkonstellation können aber genau diese Eigenschaften die Entstehung eines “Burn-out – Syndroms” begünstigen. Ausgebrannte Menschen nehmen in der Anfangsphase der „Burnout – Entwicklung“ in aller Regel noch gar kein Problem wahr – es ist eher die Umgebung, der Lebenspartner, die Familie oder Freunde. “Du arbeitest eindeutig zu viel”, “für Dich gibt es ja nur noch den Beruf”, “denk doch auch mal an Dich selber” und ähnliche Aussagen hört man oft. Die Betroffenen selbst reagieren in dieser Phase in der Regel eher unwirsch und abweisend auf solche Hinweise.
Als gefährdet gilt, wer den überwiegenden Teil seiner Energie im Beruf verbraucht und eigene Bedürfnisse – auch Grundbedürfnisse wie Schlaf, Ernährung oder Bewegung – vernachlässigt oder gar nicht mehr wahrnimmt, wer sein Selbstwertgefühl überwiegend an berufliche Erfolge gekoppelt und körperliche und seelische Warnhinweise ignoriert.
Oft erkennen Ärzte das Problem nicht
Ein Phänomen unserer Zeit?
Das große Problem bei der Diagnose ist, dass nahezu alle psychischen oder somatischen Diagnosen zu spät oder gar nicht gestellt werden. Oftmals erkennen die Ärzte das Problem einfach nicht, da die Symptome eher unspezifisch und für den Arzt nicht klar zuzuordnen sind. Die Folge: Die meisten Betroffenen machen weiter wie bisher, bis sie nicht mehr können, zusammenbrechen oder langsam in eine Depression hineinrutschen.
Kerstin Dreher, Stand vom 01.06.2009